Schon mal was von Soylent, Mana, Jake, Veetal gehört?
Als ich vor einiger Zeit mal wieder den Begriff Soylent in Verbindung mit Nahrung gelesen hatte, fiel mir spontan der amerikanische Film „Soylent Green“ ein. Kein guter Start für ein Nahrungsmittelkonzentrat oder vielleicht genau deshalb (beim „neuen“ Soylent sollen ja zumindest die Inhaltsstoffe anders sein). Wie ich das meine? …einfach mal den Film ansehen. Auch die Konsistenz ist diesmal anders, nämlich flüssig.

Die Idee ein Nahrungsmittel zu entwickeln, in welchem alle benötigten Zutaten enthalten sind ist ja nicht neu. In den 60 er Jahren gab es tatsächlich umfangreiche Forschungen zum diesem Thema. Vor allem im Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung der Raumfahrt, sollte die Ernährung der Erdbewohner ebenso effektiv (also schnell) werden. Auch erwartete man damals einen enormen  Bevölkerungszuwachs auf der Erde, dem die Landwirtschaft kaum gewachsen sei. Pillen und die klassische Astronautennahrung aus der Tube sollte zukünftig die bisherige „umständliche“ Art von Nahrungsmittelzubereitung und- aufnahme ersetzen.

Zum Glück hat sich das nicht durchgesetzt. Nahrungsaufnahme und  Zubereitung ist eben mehr als bloße Zufuhr von lebenserhaltenden Stoffen, sondern es ist auch Kultur, Lebensgefühl, Belohnung und naja, auch irgendwie Erotik…

Dennoch haben die Entwickler von Soylent mit ihrem Nahrungsmittelkonzentrat einen interessanten Trend gestartet, dem immer mehr Anbieter folgen. Aber was steckt drin in diesen Produkten und vor allem, kann man sich davon wirklich komplett ernähren?

…also ein Selbstversuch.

Zuerst einmal ein paar Grundlagen. Woraus besteht unsere Nahrung, oder woraus sollte sie bestehen?
Grundsätzlich sind Nahrungsmittel Stoffe, welche wir zum Leben benötigen, die der Körper selbst nicht herstellen kann und somit über die Nahrung zugeführt werden müssen. Die wichtigsten Nahrungsbestandteile sind:

Kohlenhydrate (Zucker, Stärke)

  • Pflanzen bilden Zucker durch Photosynthese mit Hilfe der Sonne. Aus den Zuckermolekülen bauen sie dann Stärke auf
  • Liefern schnell verfügbare aber nicht lange Anhaltende Energie ( siehe Artikel aerob/ anaerob)
  • Kann der Körper nur in geringen Mengen speichern
  • Wirken auf den Blutzuckerspiegel
  • Vor allem in Stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Maniok und Nudeln enthalten

Fette

  • Wichtigster Energielieferant ( Langzeitenergie)
  • Kann der Körper in großen Mengen speichern
  • Träger von fettlöslichen Vitaminen, Geschmacks- und Aromastoffen

Eiweiße (Proteine, Aminosäuren)

  • Wichtig für Zellwachstum
  • Kann der Körper kaum speichern
  • Tierische Eiweiße biologisch wertvoller, da sie dem Aufbau des Eiweißes des menschlichen Körpers ähnlicher sind
  • Tierische Quellen sind u.a. Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Milchprodukte
  • Pflanzliche Quellen sind u.a. Soja, Hülsenfrüchte, Getreide, Getreideprodukte

Ballaststoffe

  • Kommen nur in pflanzlichen Nahrungsmittel vor
  • Sind Kohlenhydrate, welche im Dünndarm kaum bis gar nicht aufgeschlossen werden. Erreichen somit unverdaut den Dickdarm
  • Sorgen für ausreichende Füllung des Verdauungstraktes und beschleunigen durch erhöhtes Stuhlvolumen die Zeit der Darmpassage. Giftstoffe kommen dadurch kürzere Zeit mit dem Darm in Berührung
  • Quellen sind u.a. Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte

Vitamine

  • Regulieren zusammen mit Enzymen fast alle Stoffwechselvorgänge im Körper
  • Fettlösliche Vitamine werden vom Körper länger gespeichert, können daher bei hoher Zufuhr zu Schäden im Körper führen
  • Bei normaler Ernährung Vitaminmangelerkrankungen sehr selten
  • Empfindliche gegenüber Hitze und Licht, sollten daher immer frisch gekauft werden
  • Wasserlösliche Vitamine (C, B- Reihe, Folsäure) vor allem in Zitrusfrüchten
  • Fettlösliche Vitamine (A, E, D, K) z.B. in Möhren

Mineralstoffe/ Spurenelemente

  • Vielfältige Aufgabe für Wachstum und Stoffwechsel
  • Eisen, Calcium, Magnesium, Kalium u.s.w.

Wasser

  • Hat als Lösungsmittel zentrale Bedeutung für Transport und Ausscheidung von Stoffen
  • An vielen Stoffwechselprozessen beteiligt
  • Über Atmung, Schweiß und Urin gehen täglich ca. 2,5, l Wasser verloren

Das sind die Mindestbestandteile, welche wir brauchen. Dazu kommen allerdings noch Stoffe, welche wir nicht wirklich benötigen, uns das Essen aber angenehmer machen wie z.B. Geschmacksstoffe wie Gewürze und Kräuter

Da es neben Soylent immer mehr Anbieter von Nahrungsmittelkonzentraten gibt, war die Entscheidung für ein Testprodukt gar nicht so einfach. Ein Vergleich von Soylent, Nano, Veetal, Huel, Jake, Bertrand, Joylent und Mana (und es gibt noch viel mehr)ist recht umständlich. Die Angaben der Inhaltsstoffe sind sehr umfangreich und manchmal auch verwirrend. Gleich ist allen Produkten, dass sie mit Wasser angerührt werden und meist auf drei „Mahlzeiten“ pro Tag ausgelegt sind. Einige Anbieter erzeugen die Grundstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiße u.s.w. mehr oder weniger oder auch komplett künstlich. Es sind also Produkte aus der Retorte. Das wollte ich auf keinen Fall. Mir war wichtig, dass die Zutaten vollständig aus natürlichen Zutaten  hergestellt sind und die Konsistenz wenigstens ansatzweise noch einige Zutaten im Mund erkennbar/ fühlbar macht. Weiterhin habe ich bei Nahrungsmitteln und neuen Trends eine gewisse Abneigung gegen ausländische Produkte.

Nachdem ich die Webseiten fast aller o.g. Anbieter gelesen hatte, fiel meine Entscheidung auf Bertrand. Bertrand kommt aus Deutschland und alle Zutaten bestehen aus natürlichen Nahrungsmitteln. Bertrand besitzt ein streng kontrolliertes Biosiegel und verzichtet im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern vollständig auf irgendwelche süßenden Inhaltsstoffe.

Ich habe mir also zunächst eine Probepackung bestellt. Darin waren 3 Tüten (je Tüte eine Tagesration) und ein Shaker, den man auch gut als Trinkflasche verwenden kann.

Nach zwei Tagen habe ich dann eine weitere Dreitagesration bestellt, um den Test ca. eine Woche zu machen. Es sollte kein Extremtest werden, also hatte ich an den ersten beiden Tagen pro Tag wenigstens eine normale Mahlzeit. Ich muss ja so ganz nebenbei auch noch arbeiten. Ab den dritten Tag stand dann komplette Science- Fiction Nahrung auf dem Speiseplan.

Hier meine Fazit:

Positiv:

  • Sehr angenehmer, unaufdringlicher Geschmack. Am besten hat mir Nuss/ Vanille geschmeckt
  • Angenehmes Gefühl im Mund. Man spürt immer noch einzelne Zutaten, welche man auch kauen möchte. Das vermittelt  immer noch das Gefühl einer vollwertigen Nahrung
  • Alle Zutaten bestehen aus natürlichen Nahrungsmitteln (Biosiegel)
  • Es gibt auch eine vegane Variante und eine variante für Sportler mit höherem Eiweißgehalt
  • Sehr einfache Anwendung, ohne kochen

Negativ:

  • in dem kurzen Zeitraum nicht gefunden

Sonstiges:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich mit diesen Nahrungsmittelkonzentraten wirklich mehrere Wochen oder noch länger ernähren möchte. Dazu fehlt vor allem das, was über die reine Nahrungsmittelaufnahme hinausgeht, auch könnte das Sättigungsgefühl länger als ca. 3 Stunden anhalten. Ist man wirklich mal über einen längeren Zeitraum auf diese Art der Ernährung angewiesen (warum auch immer), sollte man sich vorher langsam daran gewöhnen. Zwar sind alle notwendigen Stoffe enthalten dennoch ist diese Art des „Essens“ eine große Umstellung für den Körper. Auch wenn man nicht gleich daran denkt aber schon allein das Kauen vermisst man irgendwann.
Praktisch ist es aber in jedem Fall. Auf längeren Rad-, Wander- oder Paddeltouren aber auch auf Dienstreisen oder ähnlichen Situationen bei denen ein regelmäßiges Essen meist nicht planbar ist, ist es eine tolle Alternative.  Da Wasser fast überall verfügbar ist, muss man pro Tag nur eine Tüte Bertrand (oder ein anderes Produkt) mitnehmen und hat alle Zutaten für eine ausreichende Ernährung. Besser als Hamburger und Co. ist es allemal…