Ja, nun bin ich auch vom E-Book Boom infiziert. Denn bei allen Argumenten gegen E-Books haben sie doch einen entscheidenden Vorteil: Man hat viel Lesestoff (gefühlt unendlich viel) immer dabei.

Nach 6 Monaten mit dem Kindle hier mal einige persönliche Anmerkungen:

  • Das Gerät ist teuer!
    Stimmt.
    Der (oder das?) Kindle Paperwhite von Amazon kostet in der einfachen Variante ohne 3G ca. 120 €. Das ist erst einmal viel Geld für ein Gerät mit dem man nur Lesen kann. Andere Hersteller sind da billiger, deren Geräte können aber auch weniger.
    Die 3 G Variante (ca. 180 €) braucht man nur, wenn man unterwegs Bücher oder Zeitungen kaufen will und keinen Zugang zu einem WLAN hat.

 

  • Die bisherigen Lieblingsbücher können auf dem Kindle nicht gelesen werden, oder müssen als E- Book neu gekauft werden!
    Stimmt leider auch.
    Aber E- Books sind ca. 10 % billiger als gedruckte Bücher und es gibt viele kostenlose E- Books für den Kindle. Das sind dann meist Klassiker und hatten bei mir den Effekt, auch mal wieder ein gutes Buch zu lesen.
    Warum sind E- Books aber trotzdem so teuer? Es entstehen doch kaum Kosten für Druck, Logistik, Verkaufsräume, Personal usw.
    Ganz einfach, weil man das geistige Eigentum des Autors bezahlt. Der Schriftsteller muss auch von seiner Arbeit leben können. Das der Preisunterschied zwischen gedrucktem Buch und E- Book so gering ausfällt, liegt unter anderem daran, dass sich die großen Buchhandelsketten einen erbarmungslosen Preiskampf bei gedruckten Büchern liefern. Gedruckte Bücher werden eigentlich viel zu billig verkauft.
    Wenn man mal in einer der großen Buchandlungen wie Thalia u. Co in der Abteilung mit den Sonderangeboten stöbert, tut es einem fast schon weh, dass viele Bücher (auch tolle Bildbände oder Fachbücher) regelrecht verschleudert werden. Bücher werden leider nur noch als Ramschware wahrgenommen.

 

  • Lässt man mal ein Buch im Zug liegen, verliert man üblicherweise nur ein Buch. Lässt man den Kindle liegen, verliert mann alle gekauften E- Books!
    Stimmt nicht.
    Zwar schmerzt der Verlust des Gerätes, die gekauften E- Books sind aber im Account gespeichert und lassen sich ohne Probleme wieder auf das neue Gerät übertragen.

 

  • Bei starkem Licht (Sonne am Strand) lässt es sich auf dem Kindle schlecht lesen!
    Stimmt auch nicht.
    Durch die E- Ink Technologie lässt es sich auch bei starker Sonneneinstarhlung sehr gut auf dem Kindle lesen. Das kann man nicht mit einem normalen Monitor vergleichen. Dieser spiegelt meist stark und ist bei grellem Licht nicht hell genug.

 

  • Wenn der Akku alle ist kann man nicht mehr Lesen!
    Klar (logisch).
    Durch die E- Ink Technologie verbraucht das Gerät aber nur Strom beim „Umblättern“. Wie das funktioniert, kann man ja mal im Internet nachlesen. Der Akku des Kindle hält auch bei einer täglichen mehrstündigen Lesezeit länger als zwei Wochen.
    Der Kindle Paperwhite hat eine Hintergrundbeleuchtung, so dass man auch bei völliger Dunkelheit lesen kann. Diese lässt sich stufenlos verstellen und bei normaler Beleuchtung auch ganz abstellen. Dies und das Abschalten des WLAN verlängert die Akkulaufzeit nochmals.

 

  • Der Kindle ist schwer!
    Ja und Nein.
    Vergleicht man das Gewicht der mehr als tausend Bücher, welche auf den Reader passen mit dem des Kindle, ist der Kindle federleicht.
    OK, dieser Vergleich hinkt, wer schleppt schon seine ganze Bibliothek mit sich herum? Aber besonders im Urlaub ist es schön eine große Auswahl an Lesestoff dabei zu haben, ohne Übergewicht z.B. beim Fluggepäck.
    Der Kindle wiegt ca. 220 g und ist damit etwas schwerer als andere E- Book Reader.

 

  • E- Books (die Dateien) lassen sich nicht an andere weitergeben!
    Stimmt (zum Teil).
    Verleihen geht nur, wenn man das Gerät verleiht. Wer den Spruch kennt, dass man Auto, Frau und Fahrrad nicht verleiht, kann diesen ja nun auch auf das Buch erweitern.
    Das hat aber Gründe. Genauso wie die Musikindustrie haben nun auch die E- Book Verlage mit unerlaubten Kopien zu kämpfen. Auch wenn dies oft als Kavalliersdelikt angesehen wird, sollte sich jeder, der E- Books oder Musik unerlaubt kopiert und an andere weitergibt mal überlegen, ob er bereit wäre für geleistete Arbeit auf Bezahlung zu verzichten. Auch Schreiben, Texten und Komponieren ist Arbeit und von dieser muss der Künstler leben können. Gekaufte E-Books können daher immer nur auf einem Gerät gelesen, also nicht so einfach kopiert und weitergegeben werden.
    Amazon geht noch einen Schritt weiter. E-Books, welche bei hier gekauft werden haben ein Dateiformat, welches nur auf dem Kindle gelesen werden kann, und andere Dateiformate (außer .pdf und .doc) sind auf dem Kindle nicht zu lesen. Hier gibt es eben eine eigene Kindle- oder Amazonwelt ähnlich wie bei Apple. Das ist im Prinzip kein Problem, da das Angebot an E-Books bei Amazon wirklich enorm groß ist.
    Aber: Immer mehr Bibliotheken bieten E- Books zum Verleih an, nur eben nicht im Kindleformat. Möchte man den Service der Bibliotheken nutzen, sollte man sich also für einen anderen Reader entscheiden (z.B. Sony, Kobo, Tolino…).
    Aber auch hier gilt, ein ausgeliehenes E-Book (Datei) befindet sich dann nur auf diesem einen Gerät, kann nicht kopiert werden und verschwindet automatisch nach Ende der Ausleihfrist vom Reader.
    Um aus diesem Grund keine Kunden zu verlieren hat Amzon eine eigene Leihbücherei gestartet. Als Amazon- Prime Mitglied kann man pro Monat ein Buch kostenlos ausleihen und so lange auf dem Kindle lassen wie man will. Erst bei einer erneuten Ausleihe verschwindet das vorherige Buch vom Gerät.

 

  • Es fühlt sich nicht wie ein Buch an (Haptik)!
    Stimmt auch.
    Das war für mich der Hauptgrund gegen das E- Book (damals).
    Das Rascheln beim Umblättern, der Geruch nach bedrucktem Papier, das man auch mal eine Seite umknicken und Bemerkungen an den Rand kritzeln kann… Ja, das alles geht beim Kindle nicht.
    Ich war aber wirklich überrascht, wie angenehm es sich auf dem Kindle lesen lässt. Das kann man nicht erklären, sondern nur selbst einmal testen. Vielleicht hat ja ein Bekannter einen Kindle (oder anderen E- Book Reader) den man sich mal ausleihen kann.
    Haha, siehe einen Punkt weiter oben (das Thema mit Auto, Frau…).
    Die Bedienung ist zumindest beim Kindle sehr logisch, einfach und es sind viele Helferlein integriert. Einer meiner absoluten Favoriten ist das integrierte Wörterbuch. Liest man z.B. einen englischen Text und kennt ein Wort nicht, markiert man das Wort mit dem Finger und schon poppt die Übersetzung auf. Super!
    Alle Funktionen will ich hier nicht erklären, dafür gibt es das Internet.

 

  • Farben lassen sich nicht darstellen!
    Stimmt.
    Für Fachbücher mit farbigen Darstellungen ist der Kindle nicht geeignet. Die E- Ink Technologie erlaubt derzeit nur die Darstellung in schwarz/ weiß. Die Entwicklung geht jedoch weiter und farbige Darstellungen werden auf neuen Geräten dann sicher möglich sein. Bisher habe ich das aber nicht vermisst.

Das waren so meine wichtigsten Argumente für oder gegen das E- Book. Doch warum den Kindle von Amazon?

Der Markt für E- Book Reader wird immer größer, die Unterschiede der Geräte sind allerdings nur gering. Die E- Ink Technologie hat sich bei allen Geräten durchgesetzt. Unterschiede sind vor allem bei der Bedienung, der vorhandenen (oder nicht vorhandenen) Hintergrundbeleuchtung, dem Dateiformat der E- Books, der Größe des Buchangebotes und dem entsprechenden Shop zu finden.

Für mich waren zunächst die technischen Eigenschaften des Kindle Paperwhite wie Touchsreen, Hintergrundbeleuchtung, sehr gute Bedienung und viele Funktionen am Gerät und im Account das Kaufargument.
Nach einiger Zeit merkte ich aber auch, dass der Shop (Amazon) sehr gut ist. Klar will man mir Bücher verkaufen, aber genau da hat Amazon seine Hausaufgaben gemacht. Was Benutzerfreundlichkeit und Umfang des Angebots angeht, ist Amazon ungeschlagen.

Auch richtig: Amazon wird immer größer und bestimmt damit den Markt (und die Preise). Nur ist es eben so, dass auch die Mitbewerber nur noch aus zwei großen Hauptverlagen bestehen, denen alle Buchketten angeschlossen sind sind. Das ist so ähnlich wie bei Saturn und Media Markt. Wer immer noch glaubt, dass sich hier zwei Unternehmen Konkurrenz machen, sollte mal nachfragen, zu welchen Konzern beide gehören…