In einigen Artikeln hatte ich öfter den Begriff „Rahmengeometrie“ verwendet. Da per Mail immer mal Fragen zu diesem Thema kommen, hier nun mal etwas Theorie.

Vorher aber zum Begriff „Diamantrahmen“. Fast alle Rahmen in der „üblichen“ Form werden im deutschen „Diamantrahmen“ genannt (nicht zu verwechseln mit dem Fahrradhersteller DIAMANT). Dieser Ausdruck geht auf eine falsche Übersetzung des englischen Wortes diamond zurück, das auch Karo, Trapez oder eben auch Raute heißen kann. Diese Rahmenform bildet seit mehr als 100 Jahren die beste Kombination aus Gewicht und Stabilität.

Im Wesentlichen werden Fahreigenschaften und Komfort eines Fahrrades von der Rahmengeometrie bestimmt. In Abhängigkeit des Einsatzwecks werden die Winkel des Sattel- und Steuerrohres, die Länge Oberrohres und Kettenstrebenlänge angepasst. Hier geht es oft um wenige cm oder Grad.

Bei den im Handel erhältlichen Rädern wird die Rahmengeometrie nach Mountenbike, Trackingbike, Citybike und Rennrad/Fitnessbike unterschieden. Weitere Abstufungen werden maximal noch bei der Rahmenhöhe gemacht. Da aber jeder Radfahrer anders gebaut ist, ist die Rahmengeometrie immer ein Kompromiss. Klar, dass die Industrie hier nur auf durchschnittliche Maße setzen kann. Wer ein auf sich zugeschnittenes Rad haben möchte, welches dann wirklich wie ein Maßanzug passt, kann sich bei spezialisierten Rahmenbauern sein persönliches Rad herstellen lassen. Das ist gar nicht so teuer wie man vielleicht denkt. Für das gleiche Geld bekommt man auch ein Rennrad mit Karbonrahmen und entsprechendem Zubehör. Aber das ist dann auch nur ein Rad von der Stange.

Steuerrohrwinkel (STW)
Je steiler der Winkel des Steuerrohres ist um so leichter lässt sich das Rad lenken, um so engere Kurven können gefahren werden. Dies ist besonders bei MTB’s wichtig. Auf langen geraden Strecken läuft das Rad aber insgesamt unruhig. Auch die Gefahr des Umkippens nach vorn ist höher. MTB’s haben meist einen STW von 74 bis max 75 Grad Grad.

Flachere Winkel des Steuerrohres führen zu einem stabilen und ruhigen Geradeauslauf. Rennräder haben STW von 71 – 74 Grad. Unterschieden wird hier noch zwischen Zeitfahrrädern (sehr flacher Winkel, da wenig Kurven gefahren werden und das Rad absolut stabil laufen soll) und Straßenrennrädern /Tourenräder mit Steuerrohrwinkeln von ca. 73 Grad (guter Kompromiss zwischen Stabilität und Wendigkeit).

Sattelrohrwinkel (SAW)
Der SAW kann zwischen 65 und 80 Grad variieren. Steilere Winkel (75 – 80 Grad) verlagern das Gewicht des Fahrers nach vorn Richtung Lenker und sind auf langen Strecken weniger komfortabel, machen die Sitzhaltung aber aerodynamischer (Zeitfahrräder). Flache Winkel von ca. 65 Grad verlagern das Gewicht des Fahrers mehr auf den Sattel und sind besonders bei Citybikes zu finden. Der SAW bei Straßenrennrädern liegt meist zwischen 72 und 75 Grad.

Oberrohrlänge (OL)
Auch die OL hat Auswirkungen auf die Sitzhaltung. Je länger das Oberrohr, umso gestreckter sitzt man auf dem Rad und verlagert den Schwerpunkt nach unten. Damit kann die Kraft besser auf die Pedale gedrückt werden. Auf langen Touren ist eine aufrechtere Sichtzhaltung aber angenehmer, weil sie die Wirbelsäule nicht so belastet.

Kettenstrebenlänge (KSL)
Je länger die Kettenstrebe, umso länger der Radstand. Dieser hat wieder Auswirkungen auf  Laufruhe und Wendigkeit. Langer Radstand = ruhiges Laufverhalten, aber weniger wendig. Kurzer Radstand = umgekehrt.

Wie oben schon erwähnt, hat man beim Standardrad (MTB, Tourer oder Rennrad) wenig Einfluss auf diese Parameter. Aber es schadet ja nicht, wenn man darüber Bescheid weiß.

Wenn wir schon mal bei der Theorie sind, noch eine kurze Gegenüberstellung der Rahmenmaterialien. Hier hat man im Gegensatz zur Rahmengeometrie mehr Auswahl beim Händler.

Stahl (in verschiedenen Legierungen)
Zwar in letzter Zeit rückläufig, gewinnt der klassische Stahlrahmen in letzter Zeit wieder mehr Anhänger.

Vorteile:

  • hohe Festigkeit und Elastizität
  • sehr zäh
  • leicht zu verarbeiten, ausreichende Langzeiterfahrung
  • preiswert
  • fast überall auf der Welt zu reparieren

Nachteile:

  • höheres Gewicht
  • Korrosionsschutz notwendig

Aluminium (immer Aluminiumlegierung)

Heute meist verwendetes Standardmaterial.

Vorteile:

  • leichter als Stahl (stimmt nicht immer)
  • einfach wiederverwertbar
  • durch Großserienproduktion in Asien billig

Nachteile:

  • Ermüdungsbruchgefärdet
  • Bei Herstellung viel Energie notwendig
  • schwieriger zu verarbeiten als Stahl
  • noch keine Langzeiterfahrung vorhanden

Titan (nur für Freaks!?!)

Vorteile:

  • sehr fest
  • korrosionsbeständig
  • „edle“ Optik

Nachteile:

  • teuer
  • schwierig zu verarbeiten
  • geringere Elastizität muss durch Konstruktion ausgeglichen werden
  • benötigt bei der Herstellung sehr viel Energie

Kohlefaser (edel, teuer, gefährlich)

Vorteile:

  • sehr fest
  • steif
  • leicht

Nachteile:

  • sehr spröde
  • teuer
  • schwierig zu verarbeiten
  • schwierig zu dimensionieren
  • gefährliches Bruchverhalten (keine Vorwarnung!)

und sagt mir jetzt keiner, dass er nun genauso schlau ist wie vorher……